Die 7-Länder-Studie

In den späten 1950er Jahren bereiste der US-Wissenschaftler Ancel Keys Süditalien und stellte fest, dass die Menschen dort eine extrem niedrige Herzinfarktrate hatten. Um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, entwickelte er die später berühmt gewordene „Sieben-Länder-Studie“. An dieser medizinischen Großuntersuchung nahmen 13.000 damals gesunde Männer, die zwischen 40 und 59 Jahre alt waren, über 15 Jahre lang teil. Sie stammten aus den USA, den Niederlanden, Finnland, Italien, Japan, Griechenland und dem damaligen Jugoslawien (in einigen Quellen steht sogar, dass es über 13.000 Probanden waren und die Studie über 25 Jahre lief). Die Männer wurden während der gesamten Zeitdauer fortlaufend nach ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten befragt und die Ergebnisse mit ihrem Gesundheitszustand in Zusammenhang gebracht.
Das in den 1980er Jahren veröffentlichte und damals höchst verblüffende Ergebnis war, dass keinesfalls die Amerikaner am gesündesten waren, sondern – sozusagen ganz im Gegenteil – die Einwohner rund um das Mittelmeer, vor allem die der Insel Kreta: Nirgendwo auf der Welt, so Keys, waren die Menschen gesünder und lebten länger. Das besondere ernährungsspezifische Merkmal der Kreter war jedoch, dass sie extrem verschwenderisch mit Olivenöl umgingen. Sie deckten damit bis zu 40 % ihres Kalorienbedarfs und verzehrten gleichzeitig nur ein Minimum an tierischen Fetten. Damit war die sog. „Kreta-Diät“ in den Mittelpunkt des kulinarischen und medizinischen Interesses gerückt, die aber natürlich keine Diät ist, sondern nur eine spezifische Art der Esskultur.
Leider ist diese heute auf Kreta ganz und gar nicht mehr so verbreitet wie vor fünfzig Jahren. Sehr viele, gerade junge Kreter haben die häufig sehr ungesunden Ernährungsgewohnheiten der westlichen Welt übernommen und seitdem haben sich – sicherlich auch bedingt bedingt durch andere Einflüsse, z.B. Umweltgifte – sehr viel mehr „westliche“ Erkrankungen auf der südlichsten Insel Griechenlands etabliert, z. B Herz- und Kreislauferkrankungen. Aber es ist nicht nur das Schlechte nach Kreta gekommen, sondern auch das Gute aus Kreta: In vielen Ländern, in denen früher kaum Olivenöl verwendet worden war, ist der Verbrauch sprunghaft angestiegen, so auch in der Bundesrepublik.

 

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