Olivenöl und Pestizide

Werden Oliven gespritzt? Eine Frage, die sich sicherlich jeder stellt. Ich selber stehe zwar auch nicht daneben, habe die Frage aber schon einigen Produzenten gestellt und möchte die Informationen, so wie sie mir gegeben wurden, niederschreiben. Letztendlich muss dann jeder selber entscheiden, was er glauben möchte und ob ein Biosiegel für ihn wichtig ist.

Der Olivenbaum hat einen natürlichen Feind, die berühmte Olivenfliege Dacus oleae. Die Fliege legt ihre Eier in die Olive und die kleinen Maden zerstören dann die Frucht. Es gibt Erzeuger, die damit werben, dass ihre Haine so hoch liegen, dass die Fliege dort nicht leben kann und sie deswegen auf Spritzen oder andere Gegenmaßnahmen verzichten können. Die meisten Produzenten müssen die Olivenfliege jedoch bekämpfen.

In einer kleinen Mühle am Gardasee erklärte man mir folgenden Umgang mit dem Problem: Sie hängen kleine Metallpättchen in die Bäume, auf die sie ein Lockmittel sprühen. Anhand der Menge der Fliegen, die sich nach einiger Zeit auf den Plättchen finden, wird gesehen, wie viele Fliegen in dem Jahr unterwegs sind, und ab einer bestimmten Anzahl wird gespritzt.

Auf Kreta habe ich Informationen sehr unterschiedlicher Art bekommen. Die oben erwähnte Methode sowie eine andere ökologische Methode, die Fliegen mit hormonellen Lockstoffen in die Irre zu führen, wurden dort überhaupt nicht erwähnt. Die dort gesammelten Informationen lassen sich so zusammenfassen: Die Menschen, die Olivenöl biologisch anbauen, sagen: Ja, Öl ohne Biosiegel wird ein bisschen gespritzt. Die Menschen, die kein Bioöl, sondern einfach nur Olivenöl produzieren, wehren sich entsetzt und sagen: Nein, nein, nein, das ist unser Öl, das spritzen wir doch nicht. Schließlich essen wir das gleiche Öl, das wir verkaufen. Ein über achtzigjähriger Kreter, der Jahrzehnte lang selber Öl produziert hat, meinte dazu, dass das Spritzen zu teuer wäre, es würde sich nicht rentieren. Fakt ist, dass heute flächendeckendes Versprühen von Pestiziden – also mit Flugzeugen, wie es wohl noch vor ein paar Jahren üblich war – verboten ist. Stellt sich für mich die Frage, ob ein bisschen Spritzen überhaupt hilft, gerade bei den Mengen von Bäumen. Letztendlich ist es wohl eine Sache von Bauer zu Bauer, jeder geht mit seinen Hainen anders um.

Tja, und dann die Sache mit dem biologischen Anbau, der durch ein sogenanntes Biosiegel attestiert wird. Um ein solches Biosiegel zu bekommen, dürfen sowohl Boden wie Bäume mindestens drei Jahre nicht mit Pestiziden behandelt worden sein. Dies müsste nun allerdings derjenige prüfen, der das Siegel vergibt–- und ob das immer hundertprozentig gewährleistet ist?

Skandale um Olivenöl

Ein Skandal jagt den anderen, der normale Verbraucher ist verunsichert – zu Recht. Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Die Aufklärung über Olivenöl wird immer besser und schneller, Artikel, die geschrieben werden, sind gründlicher recherchiert oder von kompetenten Personen geschrieben. Auch findet man heute allerlei Brauchbares im Internet, vor noch gar nicht langer Zeit hat es dort viele Informationen noch nicht gegeben.

Der Olivenölmarkt ist ein großer Markt, in dem gestreckt, gemischt und gepanscht wird. Die Leute, die schummeln, kommen vielen chemischen Methoden, die entwickelt werden, um Schummeleien aufzudecken, schnell hinterher und schaffen es, diese wiederum auszutricksen. Ein Öl wird auf langen Wegen in verschiedenen Häfen oft umbenannt, so dass es oft als etwas ganz anderes ankommt, als es losgeschickt wurde. Am besten ist, wenn man sensorisch etwas geübt ist, so dass man sich selbst vertrauen kann, und einen seriösen Händler hat, der verkosten lässt. Aber zurück zum Schummeln. Eines der Probleme ist, dass die Temperatur bei der Gewinnung zu hoch ist, denn dadurch leidet das Öl. Diese Erwärmung kann man leider erst ab 160º C nachweisen.

Ein anderes Problem sind Pestizide und Weichmacher. Seit Stiftung Warentest im Sommer 2005 einen Test dazu veröffentlicht hat, steht die Ölwelt wieder einmal Kopf. Da stand doch tatsächlich ein Mensch vor mir und regte sich lautstark auf, dass „die da“ Weichmacher „reinkippen“ würden. Einen Bekannten von mir regte das zu der Bemerkung an, dass die Grundkonsistenz von Olivenöl doch fest wäre und die Weichmacher natürlich zum Verflüssigen der Substanz gebraucht würden ...

Aber Spass beiseite. Nach meinen Informationen ist bei einem einzigen der getesteten Öle Weichmacher in einem Schlauch entdeckt worden, der bei der Herstellung verwendet wurde. Die Weichmacher (Phtalate) wurden aber in sechzehn Ölen gefunden und man weiß bisher nicht, woher sie kommen. Es wird vermutet, dass sie vielleicht im Wasser enthalten waren, mit denen die Tanks ausgespült wurden, oder durch Pollenflug in das Öl gelangt sind oder aber durch die Dichtungsringe der Tankdeckel – letztendlich ist es aber ungeklärt. Weichmacher sind ja schon länger ein Riesenproblem in vielen Lebensbereichen, sei es bei der Verpackung von Lebensmitteln oder in der Blutspende, in der Dialyse etc., Olivenöl stellt da keine Ausnahme dar. Weiterhin muß noch erwähnt werden, dass es für Weichmacher noch keine Mindestwerte gibt, bei deren Überschreiten sie als gesundheitsschädlich betrachtet würden – und wenn es solche gäbe, die Mengen, die gefunden wurden, durchaus im Normalbereich hätten liegen können.

Ähnlich verhält es sich mit den Pestiziden, die zwar tatsächlich in vielen Ölen gefunden worden sind, allerdings in manchen weit unter dem zulässigen Grenzwert. Die Umwelt ist vielerorts belastet, und es kann einem Bauern durchaus passieren, dass er sich wer weiss wie abmüht, seinen Anbau ohne chemische Hilfsmittel durchzuführen – und der Bauer im Hain nebenan versprüht Pestizide gerade bei schlechten Windverhältnissen.

Die Tests von Stiftung Warentest sind sicherlich wichtig, aber doch auch differenziert zu betrachten. Auch wenn der Test schlecht ausgefallen ist, ist noch lange nicht jedes Olivenöl schlecht, und ein Öl, das dabei gut abgeschnitten hat, kann in der nächsten Charge, die geliefert wird, schon wieder ganz anders sein.

 

 

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